"... Nur ein Pferd, welches in perfekter Balance und Selbsthaltung auf zwei Spuren unter dem Reiter läuft – und zwar in jeder Lektion – kann mit feinsten Hilfen, die nahezu unsichtbar sind, gesteuert werden.
Mit dem Blick für die Balance ist es wie mit dem Hören des Jazz: Man muss es erst lernen.
Viele Menschen haben das Gefühl für Entspannung verlernt. Ein weiteres wichtiges Kriterium soll hier erwähnt werden: Ein Muskel hat zwei Zustände, er kann angespannt oder entspannt sein. Ein bisschen angespannt gibt es genauso wenig wie ein bisschen schwanger.
Nur ein entspannter Muskel kann schwingen. Wenn ein Reiter über die Zügel permanent Kontakt zum Gebiss im Pferdemaul hat und sei der Zug auch noch so gering, dann greifen die Gesetzmäßigkeiten:
Zug gibt Gegenzug
Druck gibt Gegendruck
Messungen einer Untersuchung eines bekannten deutschen Reiterjournals haben Zuggewichte bis zu acht Kilogramm am Zügel ergeben, wen wundert es.
Nur am losen Zügel ist es möglich, dass Reiter und Pferd als Einheit in einem feinen Rhythmus schwingend in Harmonie erscheinen, wobei die Kommunikation zwischen Reiterhand und Pferdemaul über feine kurze Impulse geschieht. Fehlt die permanente Anlehnung des Zügels zum Pferdemaul, muss der erforderliche Rahmen für das Pferd über die Reiterschenkel hergestellt werden.
Hier können wir das nächste Desaster in der üblichen Reiterei beobachten: Die Reiter haben permanenten Knieschluss. Damit ist gemeint, dass sie Oberschenkel und Knie ständig an das Pferd pressen. Die Knie befinden sich aber naturgemäß unmittelbar an der Schulter des Pferdes, und genau hier ist die Lenkung des Pferdes eingebaut. Wenn ich als Reiter mit Knieschluss die Schulter blockiere, kann das Pferd in einer Kurve nicht den Rippenbogen nach außen bringen, d.h. sich nicht hohl machen (biegen) und wieder erreiche ich damit, dass das Pferd wie ein Tanker durch die Kurve geht und mit der Hüfte nach außen drängt, also auf nur einer Spur läuft. Es wird deutlich, dass die meisten Probleme der Reiterei hausgemacht sind. Sie müssen gar nicht sein. Wenn wir dem Pferd seinen Rahmen über die Waden geben, mit leicht nach außen gestellten Fußspitzen, die Knie ein wenig vom Pferdekörper abwenden, entstehen die genannten Probleme gar nicht.
Mit
einem ausgefeilten Bodenarbeitsprogramm vermitteln
wir dem Pferd in sehr kurzer Zeit die Fähigkeit, permanent auf zwei Spuren zu
laufen, eine ständige stabile Balance dadurch
zu erreichen, dass es das innere Vorderbein vorwärts/einwärts setzt und das
äußere Vorderbein folgt. Diese ständige Balance vermittelt dem Pferd eine
große Sicherheit und
Gelassenheit..."
Last edited 06. Februar 2007
