Tipps zu einer ausgewogenen Pferdefütterung

Pferde brauchen eine individuell angepasste Futterration

In der Pferdefütterung gibt es viele Meinungen und Informationen. Für den Laien ist es schwierig, sich zu orientieren. Da die Fütterung unserer Pferde für das Wohlergehen und das Verhalten eine große Rolle spielt, möchten wir hier unsere Erfahrungen und unser Wissen weitergeben. Zur Fütterung haben wir die wichtigsten Informationen zusammengefasst. Hier werden die wichtigsten Elemente in einer Futterration erklärt:

1. Definitionen

Erhaltungsbedarf
Energie, die der Körper braucht, um zu leben, z.B. für:
  • Stoffwechsel
  • Atmung
  • Körpertemperatur
Leistungsbedarf Energie, die der Körper braucht, um Leistung zu erbringen, z.B.:
  • Bewegung
  • Trächtigkeit
  • Laktation
  • Fellwechsel
  • Krankheit
vE Verdauliche Energie
Bei einem Energieüberschuss „spinnt“ ein Pferd.
Bei einem Mangelzustand reduzieren sich die Muskeln, Kraftlosigkeit ist die Folge. Während bei höherer Arbeitsleistung der Eiweißbedarf nur wenig ansteigt, nimmt Energiebedarf stark zu.
vRp Verdauliches Rohprotein  (Eiweiß)
Eiweißüberschüsse über einen längeren Zeitraum führen zu Huflederhautentzündungen und zu übermäßiger Salmiakbildung und damit zur Schädigung der Lungen.
Lahmheiten und Atemnot sind Begleiterscheinungen.
Eiweißmangel führt zu aufgeblähten Bäuchen und schlechtem Stoffwechsel.
Rfa Rohfaser Gerüststoff der Pflanzen
Ra Rohasche Mineralstoffe und evtl. Verunreinigungen
Rfe Rohfett Fette, fettähnliche Stoffe und fettlösliche Vitamine
Trockensubstanz Alle bei 103 Grad nicht flüchtigen Bestandteile des Futters, also: Frischsubstanz / dem verdunsteten Anteil
Mischungsgüte Alle Komponenten einer Futterrationsberechnung liegen für die Bedürfnisse des jeweiligen Pferdes in den Toleranzgrenzen. Versorgung kann mit vorhandene Futtermitteln erreicht werden.    –Je höher der Prozentsatz der Mischungsgüte, umso besser ist die abgestimmte Gesamtversorgung des Pferdes.

2. Energie

Wird durch die Verbrennung von Kohlenhydraten und Fetten gewonnen
Rangfolge der Verwendung im Körper:
  • Erhaltungsbedarf
  • Leistungsbedarf
Überschüssige Energie wird als Fett im Körper eingelagert:
  • Verfettung
  • Übermäßige Belastung des Skelettes
  • Abwehrschwächen durch Belastung des Immunsystems

3. Eiweiß

Eine Überversorgung von Eiweiß wird abgebaut über Leber & Niere
Dadurch:
  • Große Mengen Harnstoff
  • Vermehrte Wasseraufnahme
  • Erhebliche Leber-/Nierenbelastung
  • Führt zu Leistungseinbußen
  • Erhöhte Ammoniakkonzentration
  • Schädigung des Atmungsapparates
  • Schädigung der Hufe
Eiweiß-Problem

Während bei einer höheren Arbeitsleistung der Eiweißbedarf nur wenig ansteigt, nimmt der Energiebedarf stark zu.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Wenn ich infolge höherer Leistung mehr verdauliche Energie zuführen muss, steigt ungewollt hoch der Eiweißüberschuss an. Dieser sollte in einer ausgewogenen Ration jedoch auf jeden Fall < 20% bleiben.

Heu / Silage

In allen Pferdefutterrationen ist der Eiweißüberschuss das größte Problem. Laut Prof. Meier (Universität Hannover) soll dieser Überschuss 30% nicht überschreiten. Alle Kraftfuttermittel enthalten neben der Energie auch Eiweiß (verdauliches Rohprotein). Insbesondere Heu und Silagen enthalten viel Eiweiß. Von daher sollte Heu nur in begrenztem Maße zur Verfügung gestellt werden.

Es ist eine falsche Überlieferung, dass Heu ständig unbegrenzt zur Verfügung stehen soll. Silage ist infolge des nochmals erhöhten Eiweißgehalts unserer Meinung nach für Pferde nicht geeignet.

Futterrationen

Eine Futterration muss abhängig von Rasse, Gewicht, Alter und Leistung für jedes Pferd individuell berechnet werden. Für kein Pferd, egal welcher Rasse, reicht Weidegang alleine für eine bedarfsdeckende Versorgung aus!!! Wir geben unseren Pferden neben einer exakt berechneten Kraftfutterration, Mineralien & Vitamin E/Selen pro Mahlzeit, d.h. 3x täglich, 1 Rippe (= 1kg) Heu. Braucht ein Pferd vorübergehend mehr Energie, gleichen wir das mit einer täglichen Gabe von 500 g eingeweichten Zuckerrübenschnitzeln aus. Zuckerrübenschnitzel enthalten Kohlehydrate, also Energie aber kein Eiweiß.

5. Vor- und Nachteile von Futtermitteln

Äpfel, Birnen, Brot (in größeren Mengen)

Diese Futtermittel verursachen Gährungsprozesse im Dickdarm. Folge: Gaskoliken oder Rehe

Möhren (> 1 kg / Tag)

Möhren haben eine abführende Wirkung, die die Nahrungsverwertung im Darm verhindert. Außerdem wird durch die Nitratbelastung ein gesunder Gastransport im Blut und der Gasaustausch in der Lunge beeinträchtigt. Max. Nitratwert: 50mg/kg Möhren (Babynahrung) Praxis: häufig 100 – 250 mg/kg Möhren!

Weizen, Roggen

In der Pferdefütterung meiden, da die enthaltenen Kleberstoffe für den Verdauungstrakt nicht geeignet sind.

     Pellets

Nach neuesten Erkenntnissen sollen Pellets (feingepresste Futtermittel, bar jeglicher Strukturanteile) bei Pferden Magengeschwüre verursachen.

Müslifutter

Sie sind durch ihre Zusammenstellung oft ausgesprochen hochwertig. In Verbindung mit anderen Grundfuttermitteln kann es zu einer Überversorgung an verdaulicher Energie und Eiweiß kommen. Die Ration muss gewissenhaft abgestimmt werden. Problem: Auswirkungen der enthaltenen Stabilisatoren und Haltbarkeitsmacher auf den Organismus sind nicht erforscht!

Mehrmalige Stroh-/Heugabe am Tag:

Dadurch wird der PH-Wert gesenkt, die Magen-/Darmschleimhäute werden vor Übersäuerung geschützt. Es erfolgt vermehrte Speichelproduktion, was positiv zu bewerten ist (pH-7=neutral; 6,7-0,1=sauer; 7,3-14=alkalisch).

    Hafer

Gequetscht mit einem Litergewicht von 550-600g ist Hafer die höchstverdauliche Kraftfuttergabe.

   Gerste

Das Eiweiß der Gerste ist für Pferde nicht so gut verträglich, wie das des Hafers.
 

   Mais

Ist ein guter Energiegeber, nur in gebrochener Form oder in Flockenform ist höchste Verdaulichkeit gegeben. Keine weiteren wertvollen Inhaltsstoffe.

Gefahr: Durch zuviel Mais können die Eierstöcke der Stuten verfetten, was zur Unfruchtbarkeit führen kann.

Pflanzenöl

Guter Energieträger, pflegt den Magen-Darmtrakt des Pferdes, Tagesration sollte 200ml nicht übersteigen, was Öl in Anbetracht der Gesamtfutterration eine untergeordnete Rolle zuweist.

7. Vitamine & Mineralien

Vitamin A

Fettlöslich, ist zur Erhaltung der Zellstrukturen erforderlich und aus diesem Grunde für das Sehvermögen, die Zelldifferenzierung sowie die Fruchtbarkeit besonders wichtig.
Betakarotine befinden sich in allen grünen Pflanzen, die Umwandlung von Betakarotin in Vitamin A erfolgt im Dünndarm.
Bedarf besonders für Zuchtstuten und Fohlen sehr hoch. Trächtigen und laktierenden Stuten sollte im Winter zusätzlich Vitamin A gegeben werden.
Infektionen erhöhen den Bedarf
Übermäßige Aufnahme von Vitamin A ist toxisch, was sich nachteilig auf Knochenstruktur, Haar, Zustand der Haut und Muskelspannkraft auswirkt.

Vitamin D

Fettlöslich, unterstützt die Absorption von Calcium und Phosphor. Mangel kann zu schlecht mineralisierten Knochen und geschwollenen Gelenken führen (Knochenanomalien).  –Überversorgung kann zur Verkalkung der Blutgefäße, des Herzens und des anderen Weichgewebes führen. Fohlen und trächtige/laktierende Stuten haben erhöhten Bedarf.

Vitamin E

Fettlöslich, Bedarf erhöht sich bei Stress, Ausbildung Wachstum, Trächtigkeit und Laktation. Mangel verursacht Störungen der Muskeltätigkeit und hat Auswirkungen auf das Nervensystem (unkoordinierte Bewegung der Gliedmaßen; Kreuzverschlag).

Vitamin B1

Wasserlöslich, zentrale Rolle für den Kohlenhydratstoffwechsel, Mangel Appetit- und Gewichtsverlust, Verlust der Koordination der Hinterhand, erweitertes- / vergrößertes Herz.

Vitamin B2

Wie B1.  – Die B-Vitamine haben eine besondere Bedeutung für die Stimulation des Appetits, die Futterverwertung, viele Stoffwechselvorgänge, die Förderung von Wachstumsprozessen und den Schutz vor Hautentzündungen.

Ca:P

Calcium-/Phosphor-Verhältnis, muss zwischen 1:1 und 3:1 liegen. Die Wechselbeziehung dieser beiden Mineralstoffe ist für die Mineralisation der Knochen, die Muskelkontraktionen und den Blutgerinnungsmechanismus wicht. Der Ca/P-Bedarf ist in den ersten sechs Monaten höher.

Ca

Calcium, ein erhöhter Calciumbedarf besteht während er letzten Trächtigkeitsmonate und während der Laktation und dient der Mineralisation des fetalen Skeletts.

Mg

Magnesium, 60% des in der Körpermasse vorkommenden Magnesiums steht in Verbindung mit dem Skelett. Während der Laktation und des Wachstums sind größere Mengen erforderlich. Magnesium soll beruhigend wirken.

Na/Cl

Natrium/Chlorid = Kochsalz,  – länger anhaltendes Training und steigende Temperaturen erhöhen den Natrium/Chlorid -Bedarf erheblich. Salzleckstein! Wir verwenden inzwischen für uns und unsere Pferde kein Kochsalz (Na/Cl) mehr, sondern nur noch Kristallsalz. (Mehr Infos dazu: „Wasser und Salz – Urquell des Lebens“ von Barbara Hendel & Peter Ferreira, erschienen im Ina Verlag, August 2004.)

Ka

Kalium, heranwachsende Pferde und laktierende Stuten haben erhöhten Bedarf. Der normale Bedarf wird durch Standardfütterung gedeckt.

Fe

Eisen,  –60% des Eisengehaltes eines Pferdes entfallen auf das Hämoglobin, 20% auf Speicherungs- und Transportformen.

Cu

Kupfer, hat im Körper des Pferdes viele Funktionen: Unentbehrlich für verschiedene Enzyme, die für den Aufbau der Knochen, Knorpel, der Eisenverwertung, der Bildung der Haare- und Melaninpigmente von Bedeutung sind. Kupferstoffwechsel wird durch viele andere Spurenelemente (Eisen, Sulfat, Zink, Selen) beeinflusst. Fohlen sind bei der Geburt mit Kupfer unterversorgt! Bedarf bei Zuchtstuten und Fohlen ist doppelt so hoch, wie normal.

Zn

Zink, ist für verschiedene Enzymprozesse erforderlich. Haut, Haare, Knochen, Muskeln, Blut, innere Organe. Zinkmangel führt zu Verhornungsanomalien der Haut, Haarausfall, erhöhte Infektionsbereitschaft. Gewöhnlich ist eine Beifütterung erforderlich !

Mn

Mangan, ist für den Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel sowie für den Knorpelaufbau erforderlich.

Co

Kobalt, ist integraler Bestandteil des Vitamin B12, das Mikroorganismen im Verdauungstrakt synthetisieren. I.d.R. keine Beifütterung erforderlich.

Se

Selen, unterstützt u.a. die Entgiftung der Peroxide. Ist hoch toxisch. Unbedingt den Gehalt genau bestimmen. Höchstgehalt: 2mg/kg Futtertrockensubstanz.

Wir haben uns bemüht, die Zusammenhänge ohne Fachchinesisch allgemein verständlich auszudrücken. Wer mehr Informationen wünscht: unser Buchtipp: "Praxishandbuch Pferdefütterung" von Ingolf Bender, erschienen im Kosmos Verlag. Das Buch gibt es übrigens auch bei uns im Shop!

Last edited 04. Juni 2008